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Von Punkt zu Doppelpunkt

Von Punkt zu Doppelpunkt
Von Punkt zu Doppelpunkt
Margot Käßmann und Meinhard Schmidt-Degenhard im Gespräch © Annette Krumpholz

Der Abend war prall gefüllt für die ehemalige Bischöfin und Ex-EKD-Vorsitzende Margot Käßmann. Zwei TV-Auftritte zum Thema Kirche in Zeiten der Corona-Pandemie standen auf dem Terminplan. Zuerst sprach sie jedoch im Webtalk der Katholischen Erwachsenenbildung im Bistum Limburg (KEB).

Familien am Limit

Gleich eingangs legt sie Augenmerk auf die besondere Situation von Familien. Seit einem Jahr fast kein Kindergartenbesuch, extrem reduzierter Schulbesuch und zusätzlich noch viele Eltern im Homeoffice – das führe viele ans Limit. Jugendliche, die sich nicht treffen können und kaum Motivation finden, morgens aufzustehen. Dazu Eltern, die frustriert sind, weil sie unter Corona die Arbeit verloren haben. In dieser Gemengelage sieht Käßmann die große Gefahr von seelischen Langzeitfolgen. Grausam sei es auch zu erleben, dass von den rund 80.000 Corona-Toten hierzulande fast keiner im Verlauf des Sterbens begleitet werden konnte. Dies sei eine bittere Erfahrung für die, die gehen mussten und ebenso für die Angehörigen.

Seele muss auch gesund bleiben

Die seelische Gesundheit komme derzeit zu kurz. Viele Menschen erleben Einsamkeit, Angst und Isolation. Vor diesem Hintergrund fordert sie, bei künftigen Expertenrunden mit der Kanzlerin sollen auch Seelsorger oder Vertreter von Familienverbänden anwesend sein. Neben der körperlichen Gesundheit müsse auch die soziale und seelische Not von Menschen mehr in den Fokus von Entscheidungen rücken. Besonnenheit sei hier das Stichwort - als eine Art Balance zwischen totaler Panik einerseits und massiver Sorglosigkeit andererseits.

Neues Nachdenken und solidarische Initiativen

In der Gesellschaft stellt Käßmann ein neues Nachdenken darüber fest, was wirklich wichtig ist. Alles, was man nicht kaufen kann, rücke wieder mehr ins Bewusstsein der Menschen: solidarisches Engagement, Beziehungen, Freundschaften. Gleichzeitig sei der ökonomisch-existenzielle Druck auf einige so immens, dass man noch sehr lange mit diesen Folgen der Pandemie werde kämpfen müssen. Hier forderte die evangelisch-lutherische Theologin mutige Christen, die solidarisch und kreativ Ideen auf die Beine stellen, Initiativen entwickeln und zupacken, um andere zu unterstützen.

Trost im Glauben

Trost spende ihr der Glaube. Aus der Bibel wisse sie, dass viele Generationen vor uns die Menschen in viel schwierigeren Situationen waren und dennoch mit Gottvertrauen nach vorne geschaut haben. Es gebe immer einen Weg mit Gott in die Zukunft. Zudem müsse man sich einfach zugestehen, dass man nicht perfekt sein müsse. Trost spende ihr auch, dass der Tod nicht das letzte Wort hat. Dies werde gerade in der Osterzeit sehr bewusst, denn die Passion ende ja nicht mit dem Tod Jesu, sondern mit seiner Auferstehung am Ostermorgen: „Da, wo das Leben einen Punkt setzt, da setzt Gott einen Doppelpunkt!“

 

Die Veranstaltung am 25.03.2021 war eine Kooperation der Katholischen Erwachsenenbildung in den Bezirken Main-Taunus, Hochtaunus und Limburg, Wetzlar-Lahn-Dill-Eder.

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