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Verletzt, aber stark

Gesprächsrunde mit Dr. Wolfgang Rothe, Dr. Doris Reisinger und Joachim Frank
Verletzt, aber stark
Verletzt, aber stark
Dr. Wolfgang F. Rothe, Dr. Doris Reisinger und Moderator Joachim Frank © Annette Krumpholz

„Wenn ich gehört hätte: ‚Ich glaube Ihnen‘ – dann wäre die Geschichte vermutlich für mich erledigt gewesen!“, sagt Dr. Wolfgang F. Rothe am gestrigen Abend im Haus am Dom in einer Gesprächsrunde mit der Theologin Dr. Doris Reisinger und dem Journalisten Joachim Frank. Rothe stellt sein jüngst erschienenes Buch „Missbrauchte Kirche“ vor und seine Schilderungen führten im Zuschauerraum von ungläubigem Kopfschütteln bis zu Gänsehaut.

Die konkreten Ereignisse dessen, was ihm widerfahren ist, kann er nicht ausformulieren, denn er ist bereits mit einer kirchenrechtlichen Strafe belegt und weitere kirchenrechtliche Konsequenzen drohen. So deutet Rothe in seinem Buch und auch an diesem Abend nur an – dass es um eine versuchte Vergewaltigung geht, dass polizeiliche Ermittlungen und ein verabreichtes Psychopharmakon eine Rolle spielen - und dass ein Bischof involviert ist.

29.09.2021, Haus am Dom, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung im Bistum Limburg, Missbrauchte Kirche
© Annette KrumpholzDr. Wolfgang F. Rothe

Ein Ermittlungsverfahren, wie man es sich gemeinhin vorstellt, mit Zeugenbefragungen und Aktensichtung gab es innerkirchlich indes nicht. Niemand in verantwortlicher Position hörte das Opfer an. Stattdessen: Drohung, Strafe, Schweigen. Zudem musste sich Rothe nach eigenen Angaben kirchlich angeordnet einem „Schwulentest“ unterziehen – einem forensisch-psychiatrischen Gutachten – mittels dessen seine sexuelle Orientierung festgestellt werden sollte. Bei homosexueller Orientierung müsse unter Umständen seine seelsorgliche Tätigkeit an Kindern und Jugendlichen eingeschränkt werden.

Ungeheuerliche Vorwürfe und Vorgänge, die insofern zusätzlich brisant sind, als dass Rothe bis heute praktizierender Geistlicher einer Münchener Gemeinde ist.

In diesem Sinne will Rothe den Titel seines Buches auch dahingehend verstanden wissen, dass es nicht nur um Missbrauch in der Kirche geht, sondern dass mit ihrem Missbrauch die Täter auch die Kirche als Institution missbrauchen.

Rothe fordert daher eine radikale Abkehr von der derzeitigen Sexualmoral, die wie ein Machtinstrument eingesetzt werde. Schuld habe er dadurch auf sich geladen, dass er diese Sexualmoral in früheren Jahren selbst mitgetragen habe. Im Lauf der Zeit habe er erkennen müssen, dass beispielsweise die Argumente, die vom kirchlichen Lehramt vorgebracht werden, um Frauen vom Weiheamt auszuschließen, nicht tragfähig und vollkommen „an den Haaren herbeigezogen sind“, sowohl humanwissenschaftlich und theologisch.

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