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Im Wertevakuum Substanz finden

mit Thomas Rusche, Geschäftsführer SØR Rusche GmbH
Im Wertevakuum Substanz finden
Im Wertevakuum Substanz finden
© SØR Rusche GmbH

Geschprächsreihe "Mensch. Markt. Führungskraft."

“Wir können nur dann Veränderungen bewältigen, wenn wir uns bewusst sind, was unsere Substanz ist.” So fasste Thomas Rusche, Geschäftsführer des familiengeführten mittelständischen Bekleidungsunternehmens SØR Rusche GmbH, am Donnerstag, 15. November 2018, vor rund 30 Gästen in der Industrie- und Handelskammer Frankfurt seine Philosophie zusammen. Zwar könnten wir gegen die Regeln des Markts nicht gewinnen; doch nach ihnen zu spielen sei nur eine notwendige, keine hinreichende Bedingung für eine erfolgreiche Unternehmensführung ebenso wie für ein erfülltes Leben.

Rusche stellte die soziale Marktwirtschaft mit ihrer Orientierung an Werten in einem nicht allein ökonomischen Sinne, wie sie in Kontinentaleuropa vorherrsche, der kapitalistischen Konzentration auf reinen Nutzen entgegen, der in der englischsprachigen Welt dominiere. Er diagnostizierte ein „Wertevakuum“ in der konsumorientierten Kultur der heutigen Zeit. Die Digitalisierung trage nur weiter bei zur Dominanz von Effizienzgesichtspunkten über die Reflexion darüber, was unser Leben lebenswert mache, während unsere Einbettung in tradierte Werte kontinuierlich schrumpfe.

Als Geschäftsmann im wettbewerbsstarken Bekleidungssektor stellte er klar: „Die Herausforderungen des Lebens lassen es nicht zu, dass wir es mit weißer Weste verlassen.“ Worauf es aber ankomme, sei, die Regelverletzung nicht zur Maxime zu machen. Für ihn eröffne die Meditation oder ihre christliche Entsprechung des Betens einen Weg zu sich selbst; er könne dann „seine innere Uhr ticken hören“, wie er sich ausdrückte.

Rusche vereint eine Ausbildung in Betriebswirtschaft mit Studien der Philosophie; er ist in beiden Disziplinen promoviert. Das Unternehmen, das er in der vierten Generation führt, ist auf gehobene Herrenmode spezialisiert und in ganz Deutschland mit rund 60 Filialen präsent – auch in Frankfurt. Neben seiner unternehmerischen Verantwortung engagiert er sich in verschiedenen Organisationen, die der katholischen Kirche nahestehen, einschließlich der päpstlichen Stiftung Centesimus Annus Pro Pontifice.

Der Abend war der letzte der Reihe „Mensch.Markt.Führungskraft“, die von der Katholischen Erwachsenenbildung (KEB) in Frankfurt und der Deutschen Börse gemeinsam organisiert wurde. Nicolas Nonnenmacher von Xetra und KEB-Leiter Dr. Markus Breuer wiesen in ihren Einführungen darauf hin, wie wichtig es sei, dass Unternehmenswelt und Stadtgesellschaft in ein lebhaftes Gespräch miteinander träten. Sowohl die KEB als auch die Deutsche Börse denken darüber nach, die Reihe Mitte 2019 mit einem stärkeren Schwerpunkt auf Frankfurt fortzusetzen.
(Achim Brosch)