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Gebt der Welt ein Zeugnis

Wofür braucht Frankfurt den Ökumenischen Kirchentag?
Gebt der Welt ein Zeugnis
Gebt der Welt ein Zeugnis
v.l.n.r.: Meinhard Schmidt-Degenhard, Gabriele Scherle, Johannes zu Eltz, Mara Feßmann © Maximilian Röll

Wofür braucht Frankfurt den Ökumenischen Kirchentag? Diese Frage stellte Meinhard Schmidt-Degenhard den Teilnehmern der Podiumsdiskussion ‚Gebt der Welt ein Zeugnis‘ in der Liebfrauenkirche. Die Stadt brauche den Kirchentag nicht, so Mara Feßmann, Studentin der katholischen Theologie aus St. Georgen und Bloggerin. Darin waren sich die Diskutanten einig. Freilich ergänzten Johannes zu Eltz, katholischer Stadtdekan von Frankfurt, und die ehemalige evangelische Pröpstin Gabriele Scherle, dass die Kirchen den ÖKT benötigten. Es tue den Christen gut, gemeinsam zu feiern.

Die letzte Chance

Unter den aktuellen Themen der katholischen Kirche wurde der Synodale Weg intensiv diskutiert. Laut den Stadtdekan ist er die letzte Chance des Nachkriegskatholizismus. Er sei erstaunt, dass die Menschen noch an der Kirche festhielten, obwohl sie so oft enttäuscht worden seien. Das kann laut zu Eltz nicht an der Kirche selbst liegen. Sondern am „Duft Jesu“.

Scherle war da skeptischer. „Ich habe mich gefragt, ob Gott die Lust an uns verloren hat.“ In diesen Pessimismus wollte zu Eltz nicht einsteigen: „Die Welt ist Gott so voll.“ Deswegen sei es die Aufgabe der Kirche, authentisch von ihm zu erzählen. Das könne aber nur aus einer lebendigen Beziehung heraus gelingen: „Wir sind nicht hineingenommen in eine Werbeagentur.“

Konfessionslos glücklich

Die evangelische Pröpstin sah die Kirchen vor eine grundsätzliche Herausforderung gestellt: „Wir haben alles, was derzeit in der katholischen Kirche gefordert wird. Dennoch sprechen wir vor allem über Strukturen.“ Das Problem sei aber, dass die Menschen „religiös indifferent“ seien: „Konfessionslos glücklich“, so Scherle.

Das führte die Teilnehmer zur Berufung der Kirche. Laut Scherle geht es darum, der Sehnsucht nach Gerechtigkeit eine Stimme zu geben, klar zu machen, wo Menschen Heil erfahren können und mit ihnen Gemeinschaft zu feiern.

Die Macht des Apparats

Eine wesentliche Herausforderung hierfür ist es laut zu Eltz, nicht in Verzweiflung oder Gleichgültigkeit zu verfallen. Ein Apparat wie die beiden Kirchen sei so mächtig, dass er Sinn aus sich selbst hervorbringe: „Dann geht es nur um die eigene Erhaltung, wie bei allen anderen Institutionen auch.“

Ein solches Phänomen illustrierte Feßmann. Was sie den Bischöfen in Fulda sagen würde, fragt Schmidt-Degenhard: „Es hat für mich keine Bedeutung, was die beraten, wenn ich sie mir anschaue“, so die junge Theologin.

Gemeinsames Abendmahl

Ein wenig Selbstbeschäftigung betrieben die Podiums-Teilnehmer noch, als es um das gemeinsame Abendmahl ging. Das war dem Stadtdekan auch bewusst. Für die säkulare Welt sei die Frage nicht von Wichtigkeit. Für die Kirchen aber schon. Feßmann vermutete, ein gemeinsames Abendmahl werde es auf dem ÖKT nicht geben. Das sei aber nicht wichtig. Denn es finde in den Gemeinden schon statt.

Das sah Scherle ähnlich. Sie ging davon aus, es werde nur einen weiteren Schritt aufeinander zu geben. Wenn man sich gemeinsam einladen könne, auch wenn man unterschiedlicher Meinung sei, damit wäre viel gewonnen. Sie sah das Positive: „Wir kommen noch aus einer anderen Trennung. Es ist schon viel Vertrauen gewachsen. Und es kann mehr Vertrauen wachsen.“

Menschen fröhlich machen

Am Ende stellte Schmidt-Degenhard die Frage, wann der ÖKT erfolgreich gewesen sei. Zu Eltz bezog sich auf Elisabeth von Thüringen: „Wir müssen die Menschen fröhlich machen.“ Wie das gelingen könne, fragte der Moderator. Dafür griff Feßmann das Konzil auf: Wenn die Christen in Freude und Hoffnung, Trauer und Angst mit den Menschen mitlebten. (MR)