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Gebrauchsanweisung für Weihnachten

Nachlese zur Veranstaltung "Gebrauchsanweisung für Weihnachten"
Gebrauchsanweisung für Weihnachten
Gebrauchsanweisung für Weihnachten
© Maximilian Röll

„Was muss in Weihnachten rein?“, fragte Meinhard Schmidt-Degenhard seinen Gast, Fabian Vogt, auf der Veranstaltung der KEB ‚Gebrauchsanweisung für Weihnachten‘. Das Fest brauche die richtige Stimmung, so Vogt. Dafür müsse den Menschen klar sein: „Es hat etwas mit mir zu tun, was da passiert.“ Zur Einstimmung las Vogt, der nicht nur evangelischer Pfarrer, sondern auch Autor, Musiker und Kabarettist ist, aus der Kurzgeschichte: Es duftet so nach Papa. Die Geschichte der kleinen Paula und ihr innerer Monolog über den Nikolaus, der genauso riecht wie ihr Papa, erregte im vollen Kapuzinerkeller viel Heiterkeit.

Christliches Fest mit paganen Wurzeln
Vogt, der promovierter Theologe ist, sprach über die Geschichte des Weihnachtsfestes. Die frühen Christen feierten die Geburt Jesu nicht, für sie war Ostern entscheidend. Erst im zweiten Jahrhundert begannen christliche Gemeinden Weihnachten zu begehen, das in der Spätantike auf den 25. Dezember festgelegt wurde. Dabei nahm man Bezug auf das Fest des Sol Invictus, des unbesiegten Sonnengottes, des Schutzgottes der Kaiser. Die paganen Römer wiederum orientierten sich wiederum an der Wintersonnenwende, der längsten Nacht des Jahres.

Bis in die frühe Neuzeit hinein, stand an Weihnachten die geistliche Dimension im Vordergrund. Die Geschenke brachte am 6. Dezember der heilige Nikolaus. Das änderte Luther, der eine Verehrung der Heiligen ablehnte und die Bescherung auf Weihnachten verlegte. Um dabei den heiligen Nikolaus als Gabenbringer zu ersetzen, brachte fortan das Christkind die Geschenke.

Geschenke gehören zu Weihnachten
Vogt wollte nicht in die Konsumschelte an Weihnachten einsteigen. „Ich will beschenkt werden. Und das darf auch sein.“ Das Schenken gehöre zum Inhalt des Weihnachtsfestes. Wenn er sich selbst als Beschenkter weiß, wolle das weitergeben.

Das größte Geschenk sei dabei die Geburt Jesu als Selbstoffenbarung Gottes. Der habe immer wieder versucht, mit den Menschen einen Bund einzugehen, der immer wieder von seiner Schöpfung gebrochen wurde. Deswegen musste Gott Mensch werden. Das sei natürlich schwer verständlich. „Es gehört viel Lebensstärke dazu, wenn ich etwas glaube, was ich nicht erklären kann.“

Ur-Mythos
Schmidt-Degenhardt ging auf den Geheimnischarakter ein und bezeichnete Weihnachten als einen Ur-Mythos. Dem stimmte Vogt zu. Früher habe man nur im Familienverband überleben können und so sei Weihnachten stark als Familienfest geprägt worden. Zumal der Winter in einer Agrargesellschaft die Gefahr bedeute, zu verhungern, wenn nicht genug Ernte eingebracht worden sei. Laut Vogt stellte die längste Nacht des Jahres einen Scheidepunkt für die Menschen dar.

Deswegen sei Weihnachten für viele Menschen ein Fest der Sehnsucht. Die Kirche nehme diese Sehnsüchte der Menschen aber häufig nicht ernst, so Vogt. Seit 2000 Jahren glaubten Menschen, dass es aus einer göttlichen Perspektive Antworten auf ihre Sehnsüchte geben könne. Bei diesen Sehnsüchten müsse Kirche ansetzen. Das ist laut Vogt eine jesuanische Form: „was willst du, dass ich dir tue“ war eine Frage Jesu.

Angst vor Einsamkeit
Darauf eingehend meinte Schmidt-Degenhardt, an Weihnachten fühlten sich viele Menschen einsam. Vogt bemerkte, die Kirche schaffe es häufig nicht, Angebote zu entwickeln, damit Menschen nicht alleine an Weihnachten feiern müssten. Da gebe es einen Auftrag, gemeinsam zu feiern und den Gläubigen zu vermitteln: „du bist nicht allein, weil Gott dich sieht.“

Was fehlt ohne Weihnachten
Zum Ende fragte Degenhardt den Pfarrer, was er an Weihnachten predigen werde? Er wolle nicht zu viel verraten, so Vogt, der aber seine Frage verriet: „Was würde uns fehlen, wenn es Weihnachten nicht gebe? Welchen Lebenshunger habe ich eigentlich und was kann Weihnachten dafür tun, diesen Hunger zu stillen?“ (Maximilian Röll)