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Frankfurt – „eine gastfreundliche Stadt“

Frankfurt – „eine gastfreundliche Stadt“
Frankfurt – „eine gastfreundliche Stadt“
© KEB Frankfurt

„Ist Frankfurt eine gastfreundliche Stadt?“

... fragte Moderator Meinhard Schmidt-Degenhard Theatermacher Willy Praml am 29. Juli 2019 vor einem Publikum von rund 55 Besucherinnen und Besuchern in der Alten Börse am Börsenplatz im Herzen Frankfurts. Praml, ein quicklebendiger und lebenskluger, typgerecht gekleideter Herr in den 70ern mit langem grauem Haar, machte eine kurze Pause, bevor er salomonisch antwortete: „Ja, Frankfurt kann gastfreundlich sein; aber manchmal ist diese Stadt auch eiskalt, bis in die Silhouette.“ Bevor das Publikum, das zu etwa gleichen Teilen aus Deutsche-Börse-Mitarbeitern und Bürgern der Stadt Frankfurt und Umgebung bestand, diese Antwort verdaut hatte, stellte Schmidt-Degenhard eine emotional noch stärker aufgeladene Frage: „Hat Frankfurt eine Seele?“

Praml fiel darauf sofort Friedrich Stoltze ein, Frankfurter Mundartdichter der rebellischen Generation von 1848, dem auf dem größten Platz der rekonstruierten Altstadt ein Denkmal gewidmet ist; Touristen verwechseln Stoltze oft mit dem international berüchtigteren Denker Karl Marx, vielleicht wegen ihres verblüffend ähnlichen Bart-Stylings. Praml nannte Stoltze einen „Rebellen mit Humor“ – und charakterisierte sich damit vermutlich auch indirekt selbst.

„Theater gibt dir die Chance aufzustehen“

Praml, Gründer des freien Theaters „Naxoshalle“, angesiedelt in einer idyllischen ehemaligen Fabrikhalle im Frankfurter Osten, kam während der späten 1960er Jahre in die Stadt am Main. Geboren wurde er in Niederbayern, wo er eine glückliche Kindheit und Jugend als Sohn des örtlichen Metzgers verbrachte. Zwar hat er angenehme Erinnerungen an die gute Versorgung mit „Fleisch und Wurst“ in dieser Zeit – im damaligen Nachkriegsdeutschland ein Privileg; doch irgendwann, erzählt er, begann ihn der Gedanke zu beunruhigen, dass das Leben mehr zu bieten habe als „nur“ Lebensmittel. In der Klosterschule, die er besuchte, entdeckte er daraufhin das Theater. Sein beruflicher Lebensweg führte ihn zunächst nach München, dann nach Frankfurt am Main – und hier ist er auch seither geblieben. Zum Teil lag das daran, dass sein Haarschopf während der frühen 70er Jahre so lang geworden war, dass es ihm als zu riskant erschien, nach Bayern zurückzukehren.

Als Schmidt-Degenhard ihn fragt, was ihn am Theater so sehr fasziniere, antwortete er geradeheraus: „Theater – das heißt für mich: aufstehen können.“

Religion – und Liebe für alles Barocke

Dieser Satz kann als „Purpose“ seines gesamten Arbeitslebens gelten: anderen, die in weniger glücklichen Umständen lebten als er – den „Lehrlingen“ der frühen 1970er Jahre, den „Flüchtlingen“ von heute –, eine Chance zu geben aufzustehen. Und auf diese Weise nicht nur ihrem Publikum, sondern auch sich selbst zeigen zu können, was in ihnen steckt. Dieses Ethos ist es auch, durch das sich Praml und seine Mitstreiter von „Alt-68ern“ wie Daniel Cohn-Bendit unterscheiden, die sich oft mehr für ihre utopischen – und oft genug vor allem selbstdarstellerischen – Projekte zu interessieren schienen als für den Schmerz, die Sorgen und die Träume derjenigen, deren „Emanzipation“ sie angeblich auf die Sprünge helfen wollten. Ein weiterer Unterschied, sagt Praml, besteht darin, dass er nie seine bayrische Verwurzelung in der Religion verloren hat – und seine Liebe für alles Barocke.

Der Abend war der erste einer neuen Gesprächsreihe unter dem Titel “Stadtgespräch am Börsenplatz”. Sie setzt die Gesprächsreihe “Mensch. Markt. Führungskraft.” aus dem letzten Jahr fort und wird von der Katholische Erwachsenenbildung (KEB) in Frankfurt gemeinsam mit der Deutschen Börse organisiert, nur mit einem stärkeren thematischen Fokus auf Frankfurt. Sowohl Oliver Frischemeier, Head of Corporate Engagement & Executive Services bei der Deutschen Börse, als auch KEB-Leiter Markus Breuer betonten in ihren Begrüßungsreden, wie wichtig es sei, die Geschäftswelt und die Frankfurter Stadtgemeinschaft näher zusammenzubringen, um so zu einem besseren gegenseitigen Verständnis beizutragen.