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Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag

Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag
Dem Revolutionär Jesus zum Geburtstag
Schauspieler Moritz Stoepl © Annette Krumpholz
20.12.2019, Christopher Hermann, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg, Kolpinghaus, Moritz Stoepel
© Annette KrumpholzMusiker Christopher Herrmann

Den Schauspieler Moritz Stoepl zu erleben, „…ist wie Hollywood in Limburg!“ freut sich Siglinde Hohmann aus Diez. Sie hat schon mehrere Lesungen des Künstlers besucht und sagt augenzwinkernd, „es kann auch ganz schön laut werden!“.

Moritz Stoepl trägt an diesem Abend im Kolpinghaus Texte, Lieder und Gedanken rund um Weihnachten vor. Christopher Herrmann spielt dazu Cello und Saxofon. Beide sind ein eingespieltes Team, das spüren die Zuschauer sofort.

Lustig beginnt es mit einem Lied in deutsch-englischem Kauderwelsch: „under the tree are Schlips und Socken and everybody does frohlocken“. Lachend honorieren die rund 70 Gäste im Publikum die schrägen Reime. Doch das Lachen bleibt rasch im Halse stecken, wenn Stoepl Hermann Hesse rezitiert. Im Jahr 1917 schrieb der, was auch heute noch erschreckend aktuell ist: die Lehre Jesu ist zu einer Art Gefühlskulisse reduziert, die wir rund um Weihnachten wieder hervor kramen, den Rest des Jahres aber nicht nach ihr handeln. Schuld an Elend, Krieg und Not sind wir Menschen. Darum ist es auch nur durch uns, unser Umdenken und Anders-Handeln möglich, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Immer wieder wechseln Schauspieler und Musiker zwischen frischen, heiteren Momenten und aufwühlenden, sperrigen Texten. Von Luise Rinser, über Hanns Dieter Hüsch bis hin zu Erich Kästner – das Repertoire des Abends ist breit gefächert. Da klingen klassische Weihnachtslieder auch mal wie die die Unplugged-Version einer Metal-Band. Zuweilen sind die Töne leise und zart, die Worte fast geflüstert und die Saiten am Cello sanft gezupft. Dann wieder füllt die treibende Stimme Stoepls den ganzen Raum in voller Lautstärke und Herrmann bearbeitet das blaue Cello wie mit einem Säbel. Die Zuschauer erleben ein Wechselbad der Gefühle. Von nachdenklich-verstört und zu Tränen gerührt bis schlichtweg vergnügt bieten beide Künstler eine wunderbare Bandbreite.

In jedem Fall ist dieser Abend eine gelungene Einstimmung auf das Geburtsfest Jesu. Dass dieser Mensch vom asylsuchenden Flüchtlingskind zum friedvollen Revolutionär wurde, kann und soll uns stets aufrütteln und zum Nachdenken anregen.

Der Abend wurde ermöglicht durch die Katholische Erwachsenenbildung (KEB), das Walter-Adlhoch-Haus, die KAB und Sant’Egidio.

20.12.2019, Christopher Hermann, KEB, Katholische Erwachsenen Bildung Limburg, Kolpinghaus, Moritz Stoepel
© Annette KrumpholzChristopher Herrmann, Moritz Stoepl