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Das große Zittauer Fastentuch in Wiesbaden

Kooperation der Pfarrei St. Bonifatius und der Katholischen Erwachsenenbildung
Das große Zittauer Fastentuch in Wiesbaden
Das große Zittauer Fastentuch in Wiesbaden
Ausschnitt aus dem Großen Zittauer Fastentuch © Städtische Museen Zittau
© Städtische Museen ZittauBedeutend für Europa, einzigartig in Deutschland: Das Große Zittauer Fastentuch von 1472

In der Fastenzeit ist in der Kirche St. Bonifatius in Wiesbaden etwas Besonderes zu sehen: Eine Kopie des großen Zittauer Fastentuches von 1472 wird von Aschermittwoch bis Ostern das Altarkreuz des einstigen Hochaltares von St. Bonifatius verhüllen. In einer Höhe von über acht Metern und mit einer Breite von fast sieben Metern erzählt das Fastentuch in 90 einzelnen Bildfeldern die Heilsgeschichte, von der Schöpfung bis zum Jüngsten Gericht. Initiiert wurde die Aktion von der Katholischen Erwachsenenbildung Wiesbaden-Untertaunus & Rheingau. „Das Tuch tourt durch die ganze Welt, es ist gut, es in dieser besonderen Zeit in Wiesbaden zu haben“, sagt die Leiterin, Dr. Simone Husemann. „Wir brauchen gerade jetzt die Durchbrechung der Sehgewohnheiten und das ganz Andere.“

Die Kunsthistorikerin führt am 17. Februar bei der Online-Vernissage unter dem Titel „Augenfasten! – Das große Zittauer Fastentuch“ in die Ausstellung ein. Die Veranstaltung wird auf der Videoplattform Zoom veranstaltet. Über die Funktion und Geschichte des Zittauer Fastentuchs spricht am 24. Februar der Direktor der Städtischen Museen Zittau, Dr. Peter Knüvener. Sein Vortrag „Haste nicht gesehen…“ ist von 19 bis 20.30 Uhr ebenfalls auf Zoom zu verfolgen. Die Zugangsdaten erhalten die Teilnehmer jeweils nach der Anmeldung unter keb.wiesbaden@bistumbistumlimburglimburg.de.

Um die Jahrtausendwende wird erstmals von dem Brauch berichtet, in der Fastenzeit Reliquien und Kreuze zu verhüllen und zwischen Altar und Gemeinde ein Tuch aufzuspannen. Diese Tücher, so Husemann, werden bis heute als „Hungertücher“ bezeichnet, weil dem nach der Eucharistie „schmachtenden“ Gläubigen der Blick auf das Allerheiligste verwehrt wurde. Das Mittelalter sei eine Zeit der Bildbegeisterung gewesen, erklärt sie: „Die Menschen waren fixiert auf das Sehen.“ Von diesen Zeugnissen mittelalterlicher Frömmigkeitspraxis sind nur noch wenige erhalten geblieben, unter anderem eben das Große Zittauer Fastentuch, das zu den ältesten und größten seiner Art überhaupt zählt. Bis ins 17. Jahrhundert verhüllte es jedes Jahr zwischen Aschermittwoch und Karsamstag den Altarraum der Zittauer Hauptkirche St. Johannis.

Zeitgleich ist das etwa 100 Jahre jüngere „Kleine Zittauer Fastentuch“ in der Frankfurter Katharinenkirche ausgestellt. Anders als das in mehrere Bildfelder aufgeteilte große Tuch zeigt die kleinere Variante, entsprechend der stilistischen Vorgabe ihrer Zeit, die Kreuzigung Christi als bildbeherrschende Mitte.

Das große Zittauer Fastentuch hängt vom 17. Februar bis 4. April.  Die St. Bonifatiuskirche ist täglich von 8 bis 19 Uht geöffnet.

© Städtische Museen ZittauAusschnitt aus dem Fastentuch

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